Logistisches Zentrum, Aktuell

Ein telemedizinisches Netz für Afghanistan.

Nächste Entwicklungsphase
Telemedizin Cellen in den Unterprovinzen

Seit dem Jahr 2005 reist Dr. Azim Mosafer, Vorsitzender des Afghanisch Deutschen Ärztevereine Weimar (www.adav.weimar.de) mehrmals jährlich nach Afghanistan, um in Kabul und Mazar e Sharif Fortbildungskurse in ärztlichen Untersuchungsmethoden und Sonographie durchzuführen. Zudem wurden an wechselnden Krankenhäusern in Kabul Orthopädische und Wirbelsäulen Operationen durchgeführt.

Die infolge von Kriegshandlungen unsicheren Verbindungen in Afghanistan führten zu dem Plan, ein telemedizinisches Netz aufzubauen. Afghanische Ärzte und Ärztinnen sollten die Möglichkeit bekommen, Anfragen zur Behandlung ihrer Patientinnen und Patientinnen an Fachärzte aus Europa und USA zu stellen und über das Internet beantwortet zu bekommen.

Nach Konsultation mit der Bauhaus Universität in Weimar wurde als Pilotprojekt ein mit dem  IT-Unternehmen TecArt in Erfurt eine telemedizinische Software entwickelt und  ins Netz gestellt (2012). (www.afghan-german-telemedizin.de).  Etwa 150 Fachärzte aus Deutschland, Schweden, Österreich und USA beteiligten sich an der Beantwortung der Anfragen. Vom ADAV Weimar wird mit  Hilfe des Fauenhofer Instituts Ilmenau und TecArt eine neue telemedizinische Software entwickelt, die den Gegebenheiten der Entwicklungsländer wie Afghanistans  noch besser entspricht.

Die Anfragen (Konsill) der Ärzte in Afghanistan erfolgen auf einem standardisierten Fragebogen für Anamnese und Befund .

Eine erhebliche Verbesserung des Systems konnte dadurch erreicht werden, dass Dr. Mosafer mit fünf afghanischen Universitäten (2013) die Vereinbarung traf, an jeder ein „Telemedizinisches Zentrum“ zu errichten. Ein eigener Raum wurde jeweils mit Laptop, Drucker, Internetverbindung, Digitalkamera, Stativ, Untersuchungsliege, Paravent, Arbeitstisch, Stühlen und Besuchersesseln ausgestattet. Ein angestellter Arzt wurde als Koordinator benannt. Die Finanzierung erfolgte durch die GIZ Thüringen

Projektpartner in Afghanistan sind:

Medizinische Fakultät der Universität Kabul: Dekan Prof.Dr. Sherin Agha Zarif

Medizinische Fakultät der Universität Balkh: Dekan Dr. Fazl Ahmad Bawar

Medizinische Fakultät der Universität Herat: Dekan Dr.Mohamad Naem Alemi

Medizinische Fakultät der Universität Jalabad: Dekan Dr. Yahya Fahim

Medizinische Fakultät der Universität Kandahar: Dekan Dr. Dost

Verantwortliche Projektkoordinatoren in Kabul sind Dr. Zulal  (Afghan German Hospital Kabul) und Dr. Qurbany in Mazar il Sharif (dazizqurbany@yahoo.com)

Verantwortlicher Projektkoordinator für die internationalen Konsilärzte ist Dr. Azim Yousufy USA

In den Zentren sollten Patienten mit Kamera und Interview /Skype) an einem vereinbarten Termin den beratenden Ärztinnen und Ärzten des telemedizinischen Netzes vorgestellt werden, um zu einer klaren Diagnose und einer Entscheidung über die mögliche Behandlung zu kommen. Durch die Ausstattung wurde die Übermittlung von Röntgenbildern und anderen Befunden an die konsultierenden Ärzte möglich. Ab 2014 wurden auf diesem Weg Operationen vorbereitet, die an drei je 10 tägigen Terminen in Kabul durchgeführt wurden. Außer der Auswahl der Patienten wurde es möglich, die jeweils benötigten Instrumente und Implantate aus Deutschland mit zu bringen. Die Mehrzahl der Patienten und Patientinnen wurden konservativ behandelt.

Von 2012 bis Ende 2015 wurden 650 telemedizinische Beratungen durchgeführt und 50 telemedizinisch vorbereitete Operationen erfolgreich durchgeführt.

Die Operationstermine wurden jeweils durch Fortbildungskurse in Untersuchungsmethoden und Sonographie begleitet. Themen der Fortbildungen waren: Kniegelenk, Arthroskopie (Nov. 2005 Kabul); Neurochirurgie von Kindern  und Erwachsenen (Nov. 2007 Kabul); Sonographie in der Orthopädie Stütz-, Bewegungsorgan (November 2008 Kabul); Sonographie der Säuglingshüfte (November 2009, Kabul); Orthopädie / Traumatologie (November 2010, Kabul); Telemedizinische Praxis (November. 2011 Kabul); Telemedizinische Diagnostik (November 2012 Kabul); Telederma, Spondylodylolisthesis (Nov. 2013 Uni. Kabul); E-Learning  (Examention-Kurs) (November 2014 Kabul);

Hüftgelenk Dysplasie Screening

E-Learning  (Examention-Kurs) (November 2015 Kabul).

Bis Ende 2015 wurden in Sonographie, in der Unfallchirurgie und Kinder-, Orthopädie  = 85 Frauen und 42 Männer, in Untersuchungstechniken  72 Ärzte in Praktischen Jahr, und in Röntgen-Kurse Fraktur Erkennung und Konservative Fraktur Behandlung 42 Ärzte und Pfleger (Gips Personal) ausgebildet.

An der Zentralklinik in Bad Berka (bei Weimar) wurden Ärzte aus Afghanistan eingeladen und ausgebildet: Dr. Zain (CA. der Anästhesie der Uni. Klinik Kabul) sechs Monate in 2008, Dr. Zain spezielle Anästhesie für Herzchirurgie 2014, Dr. Kamal Fortbildung Doppler Sono, je einen Monat 2015 und 2016.

Dr. Kamal Nawab in Zentralklinik Bad Berka

In Mazar e Sharif richteten die Medizinische Fakultät und ADAV-Weimar einen speziellen Konferenzraum für E-Learning ein. Mit Programmen der Firma Lecturio (www.lecturio .de) findet per Video medizinische Ausbildung statt. Die Programme wird auch an der medizinischen Fakultät Kabul genutzt.

12. Afghan-German-Symposium
Non. 2016
Universität Kabul/Afghanistan

Mit Unterstützung der Stiftung Baden Württemberg für Entwicklungszusammenarbeit und in Kooperation mit dem ADAV Freiburg wurden von April 2016 bis Mai 2017 sechs zusätzliche telemedizinische Zellen mit derselben sachlichen Ausstattung wie die telemedizinischen Zentren eingerichtet. Die Auswahl der Provinzkrankenhäuser und verantwortlichen Ärzte erfolgte durch das Gesundheitsministerium in Kabul. Ab August 2016 standen in sechs Provinzkrankenhäusern Räume und Ärzte zur Verfügung.

Im Einzelnen:

Provinz Helmand: Laskarga Hospital:

Verantwortlich: Dr. A. Samad Naseri.

Provinz Bamyan: Bamyan Provincial Hospital:

Verantwortlich: Humayon Rasoli.

Provinz Sar e Pol: Saripul Provincial Hospital:

Verantwortlich: Laser Hassas,

Provinz Kunduz: Kunduz Regional Hospital:

Verantwortlich: Dr. Habiburahman Munib,

Provinz Badakhshan: Fiazabad Provincial Hospital:

Verantwortlich: Dr. Habiburahman Haziq,

Provinz Ghazni: Ghazni Provincial Hospital:

Verantwortlich: Dr. Zahir Shah Nekmal,

Die  Zellen in Kunduz, Bamyan, Saripol, Badakhshan wurden dem Zentrum Mazar il Sharif zugeordnet, die Zellen Laskarga und Ghazni dem Zentrum in Kabul. Bis Mai 2017 konnten die Ausstattung ausgeliefert werden mit Ausnahme Saripol und Kunduz. Die regelmäßige Betreuung und Kontrolle wurde der afghanischen NGO HEALTO (Kushal Khan Mena in Kabul) unter der  Verantwortung von Dr. Zulal Ahmad Ranzurmal übertragen, die sich im Lande weitgehend ungehindert bewegen kann. Die NGO hat zugesagt die Funktionsfähigkeit der Zellen zu gewährleisten, sofern nicht militärische Gründe sie daran hindern.